Ärztliches Attest bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit

veröffentlicht am 25.04.2014von

Viele Arbeitnehmer sind über ihre Pflichten im Krankheitsfall nicht ausreichend informiert. Falsches Verhalten bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit kann unangenehme Folgen haben und schlimmstenfalls zu einer Abmahnung oder Kündigung führen. Die folgenden Tipps sollen darüber aufklären, was Sie im Krankheitsfall tun müssen.

Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Wird ein Arbeitnehmer infolge von Krankheit arbeitsunfähig, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen, § 3 Abs.1 S.1 Entgeltfortzahlungsgesetz – EFZG. Der Arbeitnehmer erhält demnach im Falle einer Erkrankung weiterhin seine Vergütung vom Arbeitgeber, obwohl er keine Arbeitsleistung erbringt.

Richtiges Verhalten bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit

Im Falle einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit haben Arbeitnehmer Anzeige- und Nachweispflichten nach § 5 EFZG zu erfüllen. Diese Pflichten gelten für alle Arbeitnehmer bei jeder Art von Erkrankung, die zu einer Arbeitsunfähigkeit führt.

1. Anzeigepflicht

Zunächst ist der Beschäftigte verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen, § 5 Abs. 1 S. 1 EFZG. Die Arbeitsunfähigkeit und deren Dauer kann vorerst ohne Hinzuziehung eines Arztes prognostiziert werden. Es reicht die eigene subjektive Bewertung des erkrankten Arbeitnehmers aus. Meldet sich der Arbeitnehmer vor dem Arztbesuch bei seinem Arbeitgeber, so kann er nur mitteilen, er fühle sich subjektiv arbeitsunfähig erkrankt und werde den Arzt aufsuchen. Zur Dauer kann er sich nur äußern, wenn ihm ein bekanntes Krankheitsbild vorliegt, und er Erfahrungen darüber gesammelt hat, wie lange der Genesungsprozess bei der prognostizierten Krankheit dauern wird. Nach dem Arztbesuch hingegen müssen genaue Angaben an den Arbeitgeber erfolgen.

Weiterhin hat die Benachrichtigung „unverzüglich“ zu erfolgen. Hier muss der Arbeitgeber – soweit es nach den Umständen des Einzelfalls möglich ist – schnell informiert werden. Der Beschäftigte sollte demnach auf jeden Fall noch vor Arbeitsbeginn den Arbeitgeber telefonisch, per Email oder per Telefax darüber informieren, dass er nicht zur Arbeit erscheinen kann, damit der Arbeitgeber auf den Ausfall rechtzeitig reagieren kann.

2. Nachweispflicht

Während der ersten drei Kalendertage der Arbeitsunfähigkeit ist es nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht erforderlich, dass der Arbeitnehmer ein ärztliches Attest beibringt. Dauert die Arbeitsunfähigkeit hingegen länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen (§ 5 Abs. 1 S. 2 EFZG). Demnach muss ein ärztliches Attest grundsätzlich frühestens am vierten Kalendertag der Erkrankung vorgelegt werden. Erscheint ein Arbeitnehmer wegen Krankheit z.B. am Freitag nicht zur Arbeit, so muss ein ärztliches Attest dem Arbeitgeber am darauffolgenden Montag eingereicht werden.

Allerdings gilt diese Regelung nur, wenn der Arbeitgeber nichts anderes verordnet hat. Der Arbeitnehmer muss die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung früher vorlegen, wenn der Arbeitgeber es verlangt (§ 5 Abs. 1 S. 3 EFZG). Eine Begründung hierfür ist nach dem Bundesarbeitsgericht (BAG) nicht notwendig (Urteil vom 14.11.2012 – 5 AZR 886/11.

Erkrankung während eines Auslandsaufenthalts

Es kommt immer wieder vor, dass eine Erkrankung während eines (Urlaubs)Aufenthalts im Ausland erfolgt. Der Arbeitnehmer hat in dem Fall die Pflicht, den schnellst möglichsten Weg zu wählen, um die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer dem Arbeitgeber mitzuteilen. Das sind in der Regel Telefon, E-Mail oder Telefax. Darüber hinaus muss die Arbeitsunfähigkeit der Krankenkasse mitgeteilt werden – vorausgesetzt es besteht eine Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse.

Folgen bei Nichteinreichung des ärztlichen Attests

Legt der erkrankte Arbeitnehmer kein ärztliches Attest vor, ist der Arbeitgeber berechtigt, die Fortzahlung des Entgelts zu verweigern. Dies gilt allerdings nur solange die ärztliche Bescheinigung nicht vorliegt, § 7 Abs. 1 Nr. 1. EFZG. Reicht der Arbeitnehmer die Bescheinigung nach, muss der Lohn nachgezahlt werden.