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veröffentlicht am 25.11.2015von

„Mit dem Wirtschaftsgipfel machen wir uns auch dieses Jahr wieder das schönste vorweihnachtliche Geschenk“, eröffnete Marc Beise, Ressortleiter Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung den Kongress. Für insgesamt drei Tage kamen Spitzenvertreter von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Hotel Adlon in Berlin zusammen.

Roland Berger zur betrieblichen Mitbestimmung

Zentrales Motto der Veranstaltung: Die Digitalisierung auch und gerade der Beschäftigungswelt, wenngleich die Flüchtlingskrise der vergangenen Monate und die jüngsten Terroranschläge in Paris das Programm erheblich beeinflussten. Die Mitbestimmung war immer wieder ein kontrovers diskutiertes Thema, nicht nur im Panel mit DGB-Chef Reiner Hoffmann. Aber die Aussagen von Roland Berger, einer der bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft, waren eindeutig: „Die deutsche Art Unternehmen zu führen, auch über Betriebsräte, ist eine große Erfolgshilfe.“ Die Arbeitnehmer müssen – ebenso wie der CEO – „mitgenommen“ werden, so der Gründer der Roland Berger Holding GmbH. Er klagt auch nicht über die Einschränkung der unternehmerischen Freiheit durch den Datenschutz, denn diesen hält er für ein sehr schützenswertes Gut.

Eröffnung durch den österreichischen Bundeskanzler

Bereits die Eröffnungsrede des Österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann bestärkte Angela Merkel in ihrer Entscheidung vom September, die Grenzen zu öffnen. Menschen, die vor Krieg fliehen, lassen sich nicht aufhalten – weder durch Verbote noch von Erklärungen. Zugleich warnte er davor, Flüchtlinge auszugrenzen. „Flüchtlinge sind Opfer, keine Täter.“ Die Isolation fördere die Kriminalisierung und Gewaltbereitschaft. Diese Aussage unterstützt auch Ex-Nationalspieler Arne Friedrich. Er gründete nach seiner Fußball-Karriere die Arne-Friedrich-Stiftung und will damit bereits Kinder für das Thema Integration sensibilisieren. „Integration beginnt mit Begegnung. Und Kennenlernen, sei der erste Schritt zum Zusammenwachsen“, betonte der Ex-Nationalspieler.

Digitalisierung durch langsames Denken

Eine Überraschung am ersten Kongresstag war auch Vishal Sikka, CEO & Managing Director Infosys Ltd. Er machte deutlich, dass eine Digitalisierung immer auch mit Beschleunigung einhergeht. Doch Vorsicht: Viele Innovationen sind durch langsames Denken entstanden. Um Beschleunigung der anderen Art ging es auch in der folgenden Diskussionsrunde zum Internet der Dinge. Selbstfahrende Autos beherrschten hier für kurze Zeit das Gespräch. Es werden immer mehr Geräte miteinander vernetzt. Das hat viele Vorteile, birgt aber auch erhebliche Risiken. Wenn ein solcher Computer gehackt wird, ist der Fahrer machtlos. Dem kann Elmar Degenhart, Chef des Autozulieferers Continental nur zustimmen: „Nichts wäre dümmer, als wenn das Auto bei Tempo 160 auf der Autobahn neu gestartet wird wie ein Computer.“

Verminderung der Komplexität

Um die negativen Auswirkungen der Digitalisierung einzugrenzen ist die Verminderung von Komplexität ein erster wichtiger Schritt. Diese Erfahrung machte auch Ulrich Spiesshofer, Vorstandsvorsitzender des Schweizer Technologieunternehmens ABB, als er seiner Mutter von der Beförderung in die Chef-Etage erzählte. Spätestens bei ihrer Frage, was die Firma eigentlich macht geriet er ins Stocken. Zu komplex war der Aufgabenbereich. Seither konzentriert er sich nur noch auf das Kerngeschäft. „Ein Unternehmensführer muss mit dem Unternehmen umgehen wie ein Obstbauer mit dem Apfelbaum. Er muss auch manchmal etwas abschneiden, um dann die größten Äpfel zu ernten.“ Firmen müssen sich auf den digitalen Wandel einlassen, um auch zukünftig erfolgreich zu sein.

Austausch zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber wichtig

Diese Meinung teilt auch Martina Koederitz, Chefin von IBM-Deutschland. Seit mehreren Jahren verzichtet sie – sofern möglich – auf die Kommunikation per E-Mail. Stattdessen stellt sie Informationen in einen, für alle Mitarbeiter zugänglichen Blog ein oder greift direkt zum Telefon. „Wir müssen wieder mehr miteinander kommunizieren.“, kritisiert auch der Chef des Mobilfunkunternehmens Telefónica Deutschland, Thorsten Dirks. Die zunehmende Digitalisierung darf nicht zu Lasten des persönlichen Austauschs gehen. Dieser ist wichtiger denn je und muss zwingend unter den Mitarbeitern, aber auch zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern erfolgen.