studenten bachelor oder diplom

veröffentlicht am 23.07.2013von

In der italienischen Universitätsstadt Bologna wurde 1999 die seit Jahrzehnten größte Hochschulreform durchgeführt: der Bologna-Prozess. Mittlerweile wirken 47 Staaten sowie die EU-Kommission und acht weitere Organisationen im Hochschulbereich mit. Eingebunden in den europaweiten Bologna-Prozess in Deutschland sind Bund, Länder und Hochschulen. Dieser Reformprozess wird begleitet durch die Bund-Länder Arbeitsgruppe „Fortführung des Bologna-Prozesses“. In dieser arbeiten neben den Vertretern der Arbeitgeber (BDA) auch Vertreter der Gewerkschaften mit.

Ziel des Hochschulreformprozesses ist die Erschaffung von international akzeptierten Abschlüssen, eine Verbesserung der Qualität von Studienangeboten und eine Vermittlung von mehr Beschäftigungsfähigkeit. In Deutschland hat sich infolge dieser Reform sowohl die Zahl der Studierenden als auch die Mobilität deutscher Studierender ins Ausland erheblich gesteigert. Gleichzeitig ist die Attraktivität deutscher Hochschulen für ausländische Studierende und Nachwuchswissenschaftler gestiegen.

Inhalte der Bologna-Erklärung:

  • Einführung eines Systems von verständlichen und vergleichbaren Abschlüssen
  • Einführung einer gestuften Studienstruktur
  • Transparenz über Studieninhalte durch Kreditpunkte
  • Anerkennung von Abschlüssen und Studienabschnitten
  • Verbesserung der Mobilität von Studierenden und wissenschaftlichem Personal
  • Sicherung von Qualitätsstandards auf nationaler und europäischer Ebene
  • Umsetzung eines Qualifikationsrahmens für den Europäischen Hochschulraum
  • Steigerung der Attraktivität des Europäischen Hochschulraums auch für Drittstaaten
  • Förderung des lebenslangen Lernens
  • Verbindung des Europäischen Hochschulraums und des Europäischen Forschungsraums

Diese Inhalte wurden von den beteiligten Ländern zum größten Teil bereits umgesetzt. In Deutschland sind bereits die meisten Studiengänge auf die gestufte Studienstruktur umgestellt.

Mangelnde Akzeptanz des Bachelor Abschlusses?

Die Umsetzung der Bologna-Reformen, mithin die Akzeptanz des Bachelor Abschlusses führte zu einer hitzigen öffentlichen Debatte. Die neue Studienorganisation und die genauen Unterschiede zwischen den Abschlüssen sind noch nicht hinreichend bekannt.

Was hat sich geändert? Das neue, mehrstufige Abschlusssystem unterscheidet sich von der früher bekannten Einteilung in Grund- und Hauptstudium. Es wurde das European Credit Transfer System (ECTS) eingeführt. Das ECTS stellt sicher, dass Leistungen von Hochschulstudenten im Europäischen Hochschulraum vergleichbar und bei einem Wechsel auch anrechenbar sind. Ermöglicht wird dies durch den Erwerb von Leistungspunkten (credits). Diese Art der Leistungsbewertung ist hauptsächlich in den Bachelor- und Master Studiengängen eingeführt worden.

Credit Points

Credit Points (CP) sind Leistungspunkte, mit denen der Arbeitsaufwand „gemessen“ wird. Für jedes erfolgreich absolvierte Modul werden Leistungspunkte vergeben. Durch die Vergabe von CPs wird der Durchschnitt des zu leistenden Arbeitsaufwandes (in Stunden) für das Studium bemessen. Die Annahme ist, dass ein Aufwand von 1500 bis 1800 Stunden pro Jahr notwendig ist, der sich in 60 CPs ausdrückt. Demnach entspricht ein Leistungspunkt etwa 25-30 Arbeitsstunden. Weiterhin ermöglicht das Credit Points System, dass Lern-, Vor- und Nachbearbeitungsaufwand, die mit einer Veranstaltung verbunden sind, dokumentiert werden. Diese Dokumentation ist durch die Zahl der erworbenen CPs gegeben, indem sie für das gesamte Modul als die Summe des Aufwandes für die einzelnen Modulteile berechnet werden sollen. Veranstaltungen mit gleicher Präsenszeit können also durchaus durch unterschiedlich viele CPs bewertet werden. Wird ein Modul nicht bestanden, werden keine CPs angerechnet.

Hier gehts weiter mit den Haupt-Unterschieden zwischen Bachelor/Diplom und dem Fazit…

Bachelor

Bachelor (lat. Baccalaureus) ist die Bezeichnung für den ersten akademischen Grad an einer Universität oder einer Hochschule und ist ein berufsqualifizierender Abschluss. Die Mehrzahl der Bachelor-Studiengänge ist mit einer Regelstudienzeit von sechs Semestern konzipiert. Rund 20 % der Bachelor-Studiengänge sind auf sieben Semester, weitere 8 % auf acht Semester ausgelegt. Der Studiengang ist in Module gegliedert. Gemäß dem European Credit Transfer System (ECTS) können bei einem Studiengang von 6 Semestern 180 Leistungspunkte, CPs, erworben werden, diese werden verteilt auf durchschnittlich 30 CPs pro Semester. Bei einer Regelstudienzeit von sieben Semestern können 210 CPs und bei einer Regelstudienzeit von acht Semestern 240 CPs erworben werden. Das Studium endet mit einer Bachelor-Arbeit (Thesis). Der Studierende trägt nach erfolgreicher Beendigung den der Studienrichtung entsprechenden Titel (z.B. Bachelor of Laws, Bachelor of Business Administration).

Master

Bachelors haben die Möglichkeit ein Master-Studium aufzunehmen. Das Master-Studium baut auf dem Bachelorstudium auf und ist vorwiegend auf vier Semester ausgelegt. Es gibt aber auch Masterstudiengänge von drei oder zwei Semestern Länge. Nach Abschluss des Master Studienganges wird dem Studierenden der für die Studienrichtung entsprechende Abschluss verliehen (z.B. Master of Arts, Master of Education etc.).

Diplom

Die Diplom Studiengänge laufen im Zuge des Bologna-Prozesses aufgrund der Einführung von international vergleichbaren Abschlüssen (Bachelor-Master) und einer gestuften Studienstruktur weitgehend aus. Der Aufbau des Diplom-Studiums ist zweigeteilt: In den ersten zwei Jahren erfolgt das Grundstudium, dieses endet mit dem Vordiplom. Im Anschluss beginnt das Hauptstudium mit weiterführenden Praktika. Mit Beendigung des Hauptstudiums und den nötigen Praktika wird man zur Diplomprüfung zugelassen. Die Diplomprüfung besteht aus vier mündlichen Prüfungen und einer sechsmonatigen Diplomarbeit in einem ausgewählten Fachgebiet.

Die wesentlichen Unterschiede

Zunächst gibt es Unterschiede im Studienaufbau eines Bachelor- und Diplom Studienganges. Das Bachelor Studium ist kürzer und modular aufgebaut, d.h. zu allen Lehrveranstaltungen (Modulen) gibt es Abschlussprüfungen, die mit einer bestimmten Anzahl an Credit Points verbunden sind. Bis zum Ende des Studiums müssen also alle vorgeschriebenen Credit Points erarbeitet werden (i.d.R. 180 CPs). Der Diplomstudiengang ist in Grund- und Hauptstudium unterteilt, dabei sind insbesondere die Abschlussprüfungen für die Abschlussnote entscheidend. Beim Bachelor Studiengang werden die Leistungen bereits ab Beginn des ersten Semesters mit berücksichtigt und fließen in den Endnotenschnitt mit ein. Die Studierenden von Diplom Studiengängen hingegen können es während des Studiums etwas entspannter angehen, da der größte Teil der entscheidenden Noten mit den Examensprüfungen geleistet werden muss. Diese werden am Ende des Studiums absolviert.

Fazit

Dem Diplom wird teilweise immer noch ein höheres Ansehen nachgesagt, besonders im Ausland. Die Unterschiede werden aber zunehmend geringer. Spätestens nach dem Master, den man als Aufbaustudium zum Bachelor anhängen kann, wird eine gleichwertige Qualifikation erreicht. Hochschulen, Politik und Arbeitgeber setzen sich immer mehr dafür ein, den Bachelor zu einem attraktiven Abschluss zu machen und bieten die Möglichkeit durch Weiterbildung den Master zu erlangen. Insgesamt ist der Bachelor Abschluss wohl besser als sein Ruf.