fachkraeftemangel auf dem deutschen arbeitsmarkt

veröffentlicht am 22.07.2013von

In Deutschland suchen derzeit viele Betriebe dringend nach Fachkräften. Die Situation kann sich in der Zukunft noch verschärfen. Aus dem aktuellen Bildungsbericht 2013 geht hervor, dass 2012 die Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze mit über 30.000 die höchste seit Jahren ist. Dies ist nicht nur eine Folge des demografisch bedingten Rückgangs von Schulabgängern, sondern auch des unzureichenden Zusammenführens von potenziellem Angebot und bestehender Nachfrage.

Das Lehrstellenangebot von Unternehmen und Verwaltung sank bundesweit um 14.500 Plätze auf 584.500 Plätze (-2,4 %). Die Zahl der Bewerber ging weiter zurück auf 567.000 (-2,4 %). Erstaunlich aber, dass laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit fast 90.000 Jugendliche sich erfolglos um eine Lehrstelle beworben haben. Dies verdeutlicht, dass viele Jugendliche den Übergang in die Ausbildung wegen nicht ausreichender Qualifizierung oder aus anderen Gründen nicht schaffen.

Auch aus der IW-Studie (Institut der deutschen Wirtschaft) zur Zukunft des Arbeitsmarktes geht hervor, dass rund 1,4 Millionen Facharbeiter für Mathematik, Informatik und Technik für die kommenden Jahre in Deutschland fehlen. Nach Einschätzung des IW droht bis zum Jahr 2020 vor allem der Mangel an Fachkräften in den Ausbildungsberufen weitaus mehr als bei den Akademikern. Zurzeit fehlen laut der IW-Studie ca. 123.000 Arbeitskräfte im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich.

Förderung durch Migranten/ Zuwanderung

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU) kritisierte aktuell, dass Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund noch immer geringere Chancen bei der Ausbildung hätten, da bei manchen Arbeitgebern immer noch Vorurteile herrschen, wenn sich jemand mit einem türkischen Namen bewirbt.

Die Bundesregierung versucht, den Arbeitsmarkt im Kampf gegen den Fachkräftemangel mit einer Demografie-Strategie zu stabilisieren, indem es ausländischen Fachkräften die Zuwanderung erleichtert. Für Nicht-EU-Bürger wurde zum 01. Juli 2013 eine neue Regelung zur Beschäftigungsverordnung verabschiedet. Folgende Regeln gelten nun für die Zuwanderung von Facharbeitern:

  • Akademiker aus Nicht-EU-Staaten können seit August 2012 die Blaue Karte der EU beantragen.
  • Für Asylbewerber wird der Zugang zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt erleichtert (bislang war die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit nötig, wenn nach einjährigem Aufenthalt eine Ausbildung/ nach vierjährigem Aufenthalt eine Arbeit aufgenommen wurde. Dieses Zustimmungserfordernis entfällt künftig!
  • Innerhalb der EU ist für jede/ n Bürger/ in der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt uneingeschränkt möglich.
  • Es muss geprüft werden, ob der Ausbildungsabschluss gleichwertig mit einer deutschen Berufsausbildung ist (Anerkennungsgesetz bereits im April 2012). Das Verfahren kann vom Heimatland betrieben werden.
  • Die Bundesagentur für Arbeit ermittelt, ob ein entsprechender Bedarf am Arbeitsmarkt besteht.

Förderung von Frauen durch bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Der demografische Wandel hat zur Folge, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger werden. Eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedarf jedoch anderer Rahmenbedingungen:

  • Mehr Kindertageseinrichtungen – vor allem Betreuungsangebote für unter drei jährige Kinder; die Betreuung der Schulkinder nach dem Unterricht und in den Ferien; Notfallbetreuung bei Krankheit.
  • Ansatzpunkte für den Arbeitgeber: Arbeitszeitmodelle (Teilzeit, Telearbeit, Unterstützung der Elternzeit).
  • Förderung einer familienfreundlichen Gestaltung des Arbeitslebens in Betrieben und Unternehmen.

Förderung von arbeitslosen Jugendlichen

Insbesondere bei Jugendlichen und jungen Menschen mit einer geringen Bildung, einer gesundheitlichen Einschränkung oder bei Bestehen einer Langzeitarbeitslosigkeit ist die Arbeitslosenquote besonders hoch. Daher sollen künftig die Vermittlungschancen dieser Personengruppe verbessert werden. Folgende arbeitsmarktpolitische Regelungen können zu einer Verbesserung beitragen:

  • Einstiegsqualifikation (§ 54a SGB III): Die betriebliche Einstiegsqualifizierung dient der Vermittlung und Vertiefung von Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit. Arbeitgeber, die eine betriebliche Einstiegsqualifizierung durchführen, können durch Zuschüsse zur Vergütung bis zu einer Höhe von 216 Euro monatlich zuzüglich eines pauschalierten Anteils am durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitrag des Auszubildenden gefördert werden. Diese Förderung kann bis zu einer Dauer von sechs bis zwölf Monaten dauern.
  • Ausbildungsbegleitende Hilfen (§ 75 SGB III): Ausbildungsbegleitende Hilfen sind Maßnahmen für förderungsbedürftige junge Menschen, die über die Vermittlung von betriebs- und ausbildungsüblichen Inhalten hinausgehen. Insbesondere müssen ausbildungsbegleitende Hilfen während einer Einstiegsqualifizierung über die Vermittlung der vom Betrieb im Rahmen der Einstiegsqualifizierung zu vermittelnden Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten hinausgehen. Ausbildungsbegleitende Hilfen können sein:
    • Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten.
    • Förderung fachpraktischer und fachtheoretischer Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten.
    • Sozialpädagogische Begleitung.
  • Eingliederungszuschuss: Der eingestellte Bewerber kann, um die Minderleistungen in der Anfangsphase des Arbeitsverhältnisses auszugleichen, mit dem Eingliederungszuschuss gefördert werden.

Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte

Die Anforderungen an Betriebsräte werden sich vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen schrittweise ändern. Gerade die Themen Personalplanung (§ 92 BetrVG) und Auswahlrichtlinien bei Einstellungen (§ 95 BetrVG) werden zunehmend wichtiger werden. Die AfA Seminare GmbH bietet auch in diesem Bereich Seminare an. Sprechen Sie uns gerne an!