azubi - welche rechte haben auszubildende

veröffentlicht am 29.08.2013von

In wenigen Tagen ist es wieder soweit: für zahlreiche Auszubildende beginnt das erste Lehrjahr. Der Start in die neue Berufswelt ist für viele Schüler nicht nur mit einer großen Umstellung verbunden, sondern bringt auch viele neue Rechte und Pflichten mit sich. Damit der Berufseinstieg nicht mit Problemen beginnt, haben wir nachfolgend einige wichtige Regelungen zusammengefasst.

Probezeit und Kündigung

Die Probezeit von Auszubildenden ist in § 20 des Berufsausbildungsgesetzes geregelt und beträgt ein bis maximal vier Monate. Wird im Ausbildungsvertrag eine Probezeit von mehr als vier Monaten vereinbart, ist diese Angabe nichtig. Innerhalb der Probezeit kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis sofort schriftlich kündigen ohne dabei Gründe für die Auflösung des Vertrages nennen zu müssen. Nach Ablauf der Probezeit ist dem Arbeitgeber eine grundlose Kündigung nicht mehr möglich. Kommt der Auszubildende jedoch nicht seinen Pflichten nach, indem er beispielsweise häufig fehlt, verspätet am Arbeitsplatz eintrifft oder seine Aufgaben nicht erledigt, kommt möglicherweise eine außerordentliche fristlose Kündigung in Betracht, wenn der Ausbilder hierfür einen wichtigen Grund hat. Die Kündigung wird nochmals deutlich erschwert, wenn der Auszubildende schwerbehindert, schwanger oder Mitglied der Auszubildendenvertretung ist.

Im Gegensatz zum Ausbilder hat der Lehrling auch nach der Probezeit das Recht, sein Ausbildungsverhältnis ohne Angabe wichtiger Gründe mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen. Bei minderjährigen Azubis bedarf es hierfür der Zustimmung des gesetzlichen Vertreters, also meist der Eltern.

Arbeitszeitenregelung

Die Arbeitszeiten von minderjährigen Auszubildenden sind  im Jugendarbeitsschutzgesetz geregelt. Diese dürfen einen Arbeitstag mit acht Stunden nicht überschreiten, nur in Ausnahmesituation sind 8,5 Stunden erlaubt. Für Minderjährige ist das Arbeiten an Wochenenden und Feiertagen nicht zulässig. Es gilt somit eine 5-Tage-Woche, bei der insgesamt 40 Stunden gestattet sind. Falls es in bestimmten Ausnahmesituationen zu Abweichungen kommt, so ist diese Mehrarbeit mit einem freien Tag auszugleichen. Auch bei den Pausenzeiten herrschen strenge Regeln. Nach 4,5 Stunden ist eine Pause von 30 Minuten, nach spätestens sechs Stunden eine Pause von einer Stunde vorgeschrieben!

Die Regelungen zu den Arbeitszeiten von Auszubildenden über 18 Jahren sind im Arbeitszeitgesetz geregelt und deutlich weiter gefasst als die von Minderjährigen. Erwachsene dürfen grundsätzlich pro Tag acht Stunden und pro Woche 48 Stunden arbeiten (auch Samstagsarbeit). Eine Arbeitszeit von zehn Stunden täglich ist möglich, wenn diese über die Dauer von sechs Monaten durchschnittlich acht Stunden pro Tag nicht überschreitet. Die Pause beträgt mindestens 30 Minuten täglich, wovon mindestens 15 Minuten am Stück genommen werden müssen. Mehr als sechs Arbeitsstunden ohne Pause sind nicht zulässig. Bei einem 9-Stunden-Arbeitstag beträgt die Pausenzeit mindestens 45 Minuten. Bei Wochenendarbeit (Samstag gilt als normaler Werktag) besteht das Recht auf einen freien Ersatztag – dies gilt auch für Feiertage.

Grundsätzlich gilt, dass Auszubildende keine Überstunden leisten müssen! Sollte es dennoch in dringenden Fällen zu Überstunden kommen, so muss die Mehrarbeit durch zusätzliche Vergütung oder Freizeit ausgeglichen werden.

Vergütung

Der Auszubildende hat gem. § 17 Abs.1 BBiG einen Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung. Das Gehalt ist nach dem Lebensalter der Auszubildenden so zu bemessen, dass dieses mit fortschreitender Berufsausbildung, mindestens jährlich, ansteigt. Verdient ein Auszubildender weniger als 325 Euro pro Monat übernimmt der Arbeitgeber die Beiträge zur Sozialversicherung vollständig. Liegt das Gehalt jedoch über der Geringverdienergrenze muss sich der Azubi zur Hälfte an den Kosten  für Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung beteiligen.

Abschlussprüfung und Übernahme

Das Ende der Ausbildung ist im Ausbildungsvertrag festgelegt und stellt grundsätzlich das Bestehen der Abschlussprüfung dar. Wenn der Auszubildende die Abschlussprüfung nicht besteht, hat dieser einen Anspruch auf Wiederholung und somit Weiterbeschäftigung. Diese darf maximal ein Jahr Zeit beanspruchen. Der Auszubildende hat bei erfolgreich abgeschlossener Ausbildung grundsätzlich keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung im Betrieb. Wird er jedoch nach Ausbildungsende weiterhin beschäftigt, so begründet dieses ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, da ein schriftlicher Arbeitsvertrag nicht vorgeschrieben ist. Wichtig ist auch, dass jeder Lehrling mit Beendigung seiner Ausbildung einen Anspruch auf ein schriftliches Ausbildungszeugnis hat.